• Getting oldschool, oder: Wie ich uncool wurde

    old-manLangsam tritt das ein, von dem ich gehofft habe, es möge mich nicht ereilen: Ich werde alt – zumindest gefühlt. Noch vor fünf bis zehn Jahren glaubte ich mich an der Spitze des neuen Ökosystems: Des Internets. Ich war der Meinung, diese Welt besser zu kennen als der Großteil der Menschheit. Kein Trend war vor mir sicher. Instant Messenger, Tauschbörsen, soziale Netzwerke, Diskussionsforen, Videoportale und all die lustigen und verstörenden Teile dieser neuen, digitalen und immer schneller werdenden Welt. Jedes neue Feature war ein Segen in meinen Augen.

    Alter Mann

    Und was ist heute? Lese ich von einer neuen tolle App, stöhne ich nur auf. Wird mir vorgeschlagen, Messenger X oder Y zu verwenden, rattern mir schon Ausreden durch den Kopf. Erfahre ich auf Portalen wie dem angesagten bento etwas über die „10 lustigsten Videos“ des letzten Jahres, kenne ich maximal eines davon – und das auch nur, weil im Spiegel oder so etwas darüber stand. Und bei jeder neuen Registrierung für einen Internetdienst, und sei es auch nur ein simpler Onlineshop, zieht mein Puls an.

    Stellenanzeigen sind besonders frustrierend für mich. War ich mir früher – überspitzt gesagt – sicher, mit meinen coolen Internetproskillz auf dem Arbeitsmarkt gefragt zu sein, auch wenn ich die nächsten zwei Jahre Mathe schwänze, sind mir angesagte Jobs für junge Menschen schon jetzt teilweise zu hoch. Wird etwa für Internetredakteure oder Community-Manager verlangt, sich unter anderem gut in „Instagram, Snapchat, Periscope und flickr“ auszukennen, müsste ich zugeben, auf keinem dieser trendigen Netzwerke überhaupt einen Account zu haben, geschweige denn das geringste Interesse daran.

    Am schlimmsten sind jedoch die Berichte in Fachzeitschriften über IT-Konferenzen. Wenn ich nur lese, dass wir in zehn Jahren unseren Alltag über ein Mikrofon steuern können, das unsere Spracheingaben direkt an Google oder Amazon schickt, würde ich am liebsten einen Flug in die hinterste Dritte Welt buchen.

    Die Frage nach dem Warum

    [ » Read More…]

  • Technology and Free Software in Tanzania

    mit-2After two months in Tanzania and in the computer education centre I work every day I learnt a lot about the culture of the locals in terms of their viewpoint on information technology. And in the same way I had to accept that my initial mental image of the people’s behaviour was (at least in parts) very wrong. So in this article I try to explain how I see the situation of modern technologies and the usage and understanding of Free Software in the region of Tanzania where I live.

    Free Software guarantees the full rights to use, study, share and improve it (but is not necessarily free of gratis). This sounds like something only interesting for IT specialists and nerds. But given the importance of software in our lifes one has to reconsider: Software controls our mobile phones, cars, air planes, heating systems, power plants, bank accounts and medical equipment. The one who controls this software is also the one who controls most parts of our lifes. Questions like „Does all my data belong to someone else?“, „Is my data safe?“ and „Who knows how much about me?“ can only be answered when we start thinking about Free Software. By some people Free Software is also called Open Source. More about Free Software.

    Let’s start with a list of what I thought and what’s in fact the reality:

    Misconception I

    Before I went to Tanzania it was quite clear to me that people here value Free Software quite much. This is because a lot of Free Software is also free of cost. Why should people use Windows, Adobe Photoshop and Microsoft Office when there’s also GNU/Linux, GIMP and LibreOffice/OpenOffice?

    Reality I

    „Free Software? What is this and can I eat it?“ It’s not that drastical though but the core message remains the same: The broad average population doesn’t know about Free Software and Open Source or even the applications I listed. When I gave a small workshop about GNU/Linux, noone of my students knew about it. But as we installed replacements of popular non-free software like LibreOffice, GIMP or VLC the questions marks in my students‘ heads became almost visible. Although they liked the idea of the whole world working on this software and that it’s for free, they asked me afterwards „…and how can we install Microsoft Frontpage?“. This is the perfect time for misconception 2. [ » Read More…]

  • Erste Eindrücke aus Tansania

    Pole pole – das ist die typisch tansanische Mentalität, alles etwas ruhiger und langsamer angehen zu lassen. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich erst einen Monat nach meiner Ankunft in Tansania dazu komme, einen ersten Blogeintrag über meine bisherigen Erfahrungen zu schreiben. Ich bin hier von Anfang März bis Ende Juli als Freiwilliger in einer Organisation tätig, die die Bildung von jungen Menschen und der ländlichen Bevölkerung durch Einsatz und Schulung von IT verbessern will. Im Folgenden möchte ich kurz einen Rundumblick über mein Leben hier und die Bedingungen geben, konkret über meinen Alltag, die Gefahren, meine Arbeit als Freiwilliger, die einheimische Bevölkerung und Kultur, Wetter und Natur sowie das liebe Geld:

    Mein Alltag

    Blick auf das "Dach Afrikas" von unserer Haustür

    Blick auf das „Dach Afrikas“ von unserer Haustür

    Ich wohne mit meiner Freundin in einer 3-Zimmer-WG im Stadtzentrum von Moshi, nahe des Kilimanjaros. Die Woche über arbeite ich momentan bis mittags im Moshi Institute of Technology, einer Art Volkshochschule mit Kursen im Bereich IT, Buchhaltung und Sprachen, welche von TAREO (Tanzania Rural Empowerment Organization) geleitet wird (dazu später mehr). Der Rest des Tages (nahezu alle Ehrenamtlichen in der Stadt arbeiten halbtags) geht hier mit ungewöhnlich zeitraubenden Aktivitäten wie Kochen, Einkaufen auf dem Markt und vom teils tierischen heißen Wetter ausruhen (zwischen 13 und 15 Uhr gehen selbst Transanier ungern auf die Straße) drauf. Die Länge des Tages wird durch die sehr früh einsetzende Dunkelheit um etwa 19 Uhr limitiert, nach der wir Wazungu (Mzungu = Ausländer, Weißer) nicht auf die Straße sollten, mehr dazu später. Am Wochenende bekommen wir Ehrenamtlichen für gewöhnlich frei, um die Stadt und Gegend zu erkunden, Trips zu unternehmen oder uns von der oft geistig anstrengenden Arbeit zu erholen.

    Gefährlichkeit

    Eine der häufigsten Fragen ist die nach der Gefährlichkeit. Kurzum: Es ist nicht viel gefährlicher als in einer deutschen Großstadt, wenn man sich nicht vollkommen daneben verhält und ein paar Grundregeln beachtet. Tagsüber haben wir noch nie davon gehört, dass jemand beklaut wurde, obwohl wir allein von der Hautfarbe her natürlich extrem auffällig sind. Moshi gilt als sehr sicher (was auf einige andere südlichere Großstädte in Tansania allerdings nicht zutrifft). Die größte Gefahr im Hellen ist es, in der ersten Zeit auf einen der zahlreichen Straßenverkäufer reinzufallen, die einem zuerst erzählen, wie toll sie arme Waisenkinder unterstützen und nach 5 Minuten plötzlich dubiose Safaris oder Halsketten anbieten – aber da lernt man schnell draus :) [ » Read More…]

  • Nächste Station: Tansania

    This post is also available in English / Diesen Beitrag gibt es auch auf Englisch

    Wie einige von Euch vielleicht schon wissen, werde ich ab März diesen Jahres nach Tansania gehen. In der Stadt Moshi werde ich als ehrenamtlicher Computer-Lehrer in einem örtlichen Institut für IT-Ausbildung arbeiten.
    In den nächsten Wochen und Monaten wird es in diesem Blog hoffentlich einige Neuigkeiten und Bilder zu sehen geben. Bis dahin im Folgenden einige sehr häufig gestellte Fragen und deren Antworten:

    Wo zum Teufel liegt Tansania oder Moshi?

    tanzania-mapTansania liegt an der Ostküste Afrikas mit Kenia im Norden und Mosambik im Süden. Einige wichtige Örtlichkeiten in Tansania sind der Viktoriasee, der Kilimanjaro oder die Insel Sansibar.
    Die Hauptstadt ist Dodoma, wobei die größte und wichtigste Stadt aber Dar es Salaam ist. Moshi, wo ich wohnen werden, ist eine der größten Städte mit etwa 140.000 Einwohnern. Sie ist nahe des Kilimanjaro.

    Was genau machst Du dort?

    Ich werde als Computer- und Englischlehrer im Moshi Institute for Technology (MIT) arbeiten. Sie bieten verschiedene Kurse für Kinder und Erwachsene an, um IT-Kenntnisse in der Stadt und dem umliegenden Land zu verbreiten. Ich bin ziemlich frei in der Auswahl der Kurse, die ich anbieten kann. So habe ich beispielsweise geplant, Kurse in Computerreperaturen, Webseitenerstellung, Office-Software oder der allgemeinen Bedienung von Betriebssystemen anzubieten. Da ich ein Verfechter Freier Software bin, möchte ich sie so viel wie möglich einsetzen. Die Wiederverwendung alter Hardware und die Arbeit in einer ziemlich armen Umgebung machen Freie Software zur einzig sinnvollen Wahl.

    Haben die überhaupt Technologie da unten?

    Ja, durchaus. Mobiltelefone sind ziemlich weitverbreitet und die Institut, an dem ich arbeiten werde, hat Breitband-Internetanbindungen. Aber okay, sie haben auch wirklich alte gespendete Rechner auf Pentium I bis Pentium III-Basis und ich bezweifle, dass ich mit Beamern arbeiten kann.
    Neben dem Mangel an modernen IT-Geräten gibt es auch wenige moderne Autos oder Haushaltsgeräte. Die meisten Häuser haben nicht einmal eine eigene Postadresse oder Festnetzanbindung. Die Elektrizitätsversorgung ist weit von einem stabilen Zustand entfernt, von Gesundheitsversorgung und Hygiene ganz zu schweigen.

    Warum tust Du das?

    Es gibt viele Gründe, aber der wichtigste ist, dass ich etwas für mich komplett neues erleben möchte. Man mag es Ausreißen oder Abenteuer nennen, aber ich bin wirklich gespannt darauf, von einer für mich noch unbekannten Kultur lernen zu können.
    Ein anderer Grund ist der Austausch von Wissen und Know-How. In unserer westlichen Kultur können wir alles haben, was wir wollen. In Tansania ist das nicht der Fall, weswegen ich für meine Lehrangebote sehr viel improvisieren muss. Von der anderen Seite betrachtet habe ich hoffentlich genug IT-Kenntnisse, um den Teilnehmenden meines Kurses etwas nützliches beizubringen.

    Hast Du keine Angst vor Ebola?

    Ja, ich habe Sorgen, dass noch mehr Menschen durch diese Krankheit sterben werden. Aber um es deutlich zu machen: Die von Ebola betroffene Region ist so weit von Tansania entfernt wie Südeuropa. Viele innerafrikanischen Flüge wurden abgesetzt um die Verbreitung von Ebola innerhalb Afrikas zu unterbinden. Das Urteil über diese Isolationspolitik überlasse ich jedem selbst, aberzumindest jetzt ist es in Tansania recht sicher.

    Wenn Du noch Fragen hast, zögere nicht mich anzuschreiben!

    Quellen:
    Tansania-Karte von TUBS (CC BY-SA 3.0 License)

  • Next station: Tanzania

    Diesen Beitrag gibt es auch auf Deutsch / This post is also available in German

    As some of your already may know, I’m going to Tanzania for six months starting in March this year. In the city Moshi I’ll work as a volunteer computer teacher in a local institute for computer education.
    In the upcoming weeks and months you can hopefully see some updates and pictures on this blog. Until then I’d like to answer some frequently asked questions:

    Where the heck is Tanzania or Moshi?

    tanzania-mapTanzania is on Africa’s east coast, Kenya on its north coast border, Mozambique on its south. Some important localities in Tanzania are Lake Victoria, the Kilimanjaro or Zanzibar island.
    The capital is Dodoma, whereas the largest and most important city is Dar es Salaam. Moshi, where I will reside, is one of the largest cities with around 140.000 inhabitants. It’s right beneath the Kilimanjaro.

    What exactly are you doing there?

    [ » Read More…]