• Nächster Halt: Endstation.

    weselsky-putinMan könnte meinen, hier in Tansania ist man weit weg von den politischen Vorgängen in Deutschland. Doch interessanterweise wird es einem hier dieser Tage sehr einfach gemacht, den GDL-Streik, der vor allem vor Pfingsten in Deutschland die Bevölkerung elektrisiert, aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wo selbst politik-kritische Formate wie die Satire-Komik-Sendung Heute Show durchgehend auf dem Gewerkschaftsführer Weselsky rumhackt, kann man durch den Vergleich mit Ländern wie Tansania, in denen das ganze Politikschauspiel noch etwas durchsichtiger und simpler gehalten ist, sehr gut verstehen, warum der GDL-Streik im Endeffekt ein notwendiges Übel für nahezu alle Bürger in Deutschland ist.

    Über den Autor:
    Max Mehl, 25, ist ein… ach, Ihr wisst wer ich bin. Wichtig für diesen Artikel ist allerdings, dass ich kein typischer Autor eines gewerkschaftsfreundlichen Beitrags bin. Ich bin Fan von offenem Wettbewerb, die SPD fand ich immer schon so naja und beim Wort “Sozialismus” bekomme ich nervöse Zuckungen. Trotzdem befürworte ich den GDL-Streik. Wie in aller Welt passt denn das zusammen?

    Spätestens wer das zweite Semester der Politikwissenschaften absolviert hat, wird einen der wesentlichen Kerne der Realismustheorie verstanden haben. Es geht im Wesentlichen um Macht. Und Macht kann sich durch vieles definieren: Politischer Einfluss, militärische Schlagkraft, Ressourcen und natürlich Geld.

    Was in Tansania gilt…

    Hier in Tansania ist vor allem letzteres von Bedeutung. Wer über beträchtliche Summen von Geld verfügt, kann sich Einfluss kaufen und durch diesen Einfluss noch mehr Geld abzwacken. Im Gegenzug – und das ist viel prekärer – haben diejenigen, die kein Geld besitzen, keinen Einfluss, keine Stimme, keine Macht. Und das trifft somit auf weit über 90% der Bevölkerung zu. Die Tansanier haben es mit einem Parlament zu tun, das spätestens seit der Amtszeit des letzten Präsidenten diesem nur noch mehr Macht zuscheffelt. Und wenn es doch einmal so was verrücktes wie Korruptionsbekämpfung anstrebt, werden die verabschiedeten Gesetze per Veto geblockt oder ganz einfach nicht implementiert. [Read More…]

  • Technology and Free Software in Tanzania

    mit-2After two months in Tanzania and in the computer education centre I work every day I learnt a lot about the culture of the locals in terms of their viewpoint on information technology. And in the same way I had to accept that my initial mental image of the people’s behaviour was (at least in parts) very wrong. So in this article I try to explain how I see the situation of modern technologies and the usage and understanding of Free Software in the region of Tanzania where I live.

    Free Software guarantees the full rights to use, study, share and improve it (but is not necessarily free of gratis). This sounds like something only interesting for IT specialists and nerds. But given the importance of software in our lifes one has to reconsider: Software controls our mobile phones, cars, air planes, heating systems, power plants, bank accounts and medical equipment. The one who controls this software is also the one who controls most parts of our lifes. Questions like “Does all my data belong to someone else?”, “Is my data safe?” and “Who knows how much about me?” can only be answered when we start thinking about Free Software. By some people Free Software is also called Open Source. More about Free Software.

    Let’s start with a list of what I thought and what’s in fact the reality:

    Misconception I

    Before I went to Tanzania it was quite clear to me that people here value Free Software quite much. This is because a lot of Free Software is also free of cost. Why should people use Windows, Adobe Photoshop and Microsoft Office when there’s also GNU/Linux, GIMP and LibreOffice/OpenOffice?

    Reality I

    “Free Software? What is this and can I eat it?” It’s not that drastical though but the core message remains the same: The broad average population doesn’t know about Free Software and Open Source or even the applications I listed. When I gave a small workshop about GNU/Linux, noone of my students knew about it. But as we installed replacements of popular non-free software like LibreOffice, GIMP or VLC the questions marks in my students’ heads became almost visible. Although they liked the idea of the whole world working on this software and that it’s for free, they asked me afterwards “…and how can we install Microsoft Frontpage?”. This is the perfect time for misconception 2. [Read More…]

  • Erste Eindrücke aus Tansania

    Pole pole – das ist die typisch tansanische Mentalität, alles etwas ruhiger und langsamer angehen zu lassen. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich erst einen Monat nach meiner Ankunft in Tansania dazu komme, einen ersten Blogeintrag über meine bisherigen Erfahrungen zu schreiben. Ich bin hier von Anfang März bis Ende Juli als Freiwilliger in einer Organisation tätig, die die Bildung von jungen Menschen und der ländlichen Bevölkerung durch Einsatz und Schulung von IT verbessern will. Im Folgenden möchte ich kurz einen Rundumblick über mein Leben hier und die Bedingungen geben, konkret über meinen Alltag, die Gefahren, meine Arbeit als Freiwilliger, die einheimische Bevölkerung und Kultur, Wetter und Natur sowie das liebe Geld:

    Mein Alltag

    Blick auf das "Dach Afrikas" von unserer Haustür

    Blick auf das “Dach Afrikas” von unserer Haustür

    Ich wohne mit meiner Freundin in einer 3-Zimmer-WG im Stadtzentrum von Moshi, nahe des Kilimanjaros. Die Woche über arbeite ich momentan bis mittags im Moshi Institute of Technology, einer Art Volkshochschule mit Kursen im Bereich IT, Buchhaltung und Sprachen, welche von TAREO (Tanzania Rural Empowerment Organization) geleitet wird (dazu später mehr). Der Rest des Tages (nahezu alle Ehrenamtlichen in der Stadt arbeiten halbtags) geht hier mit ungewöhnlich zeitraubenden Aktivitäten wie Kochen, Einkaufen auf dem Markt und vom teils tierischen heißen Wetter ausruhen (zwischen 13 und 15 Uhr gehen selbst Transanier ungern auf die Straße) drauf. Die Länge des Tages wird durch die sehr früh einsetzende Dunkelheit um etwa 19 Uhr limitiert, nach der wir Wazungu (Mzungu = Ausländer, Weißer) nicht auf die Straße sollten, mehr dazu später. Am Wochenende bekommen wir Ehrenamtlichen für gewöhnlich frei, um die Stadt und Gegend zu erkunden, Trips zu unternehmen oder uns von der oft geistig anstrengenden Arbeit zu erholen.

    Gefährlichkeit

    Eine der häufigsten Fragen ist die nach der Gefährlichkeit. Kurzum: Es ist nicht viel gefährlicher als in einer deutschen Großstadt, wenn man sich nicht vollkommen daneben verhält und ein paar Grundregeln beachtet. Tagsüber haben wir noch nie davon gehört, dass jemand beklaut wurde, obwohl wir allein von der Hautfarbe her natürlich extrem auffällig sind. Moshi gilt als sehr sicher (was auf einige andere südlichere Großstädte in Tansania allerdings nicht zutrifft). Die größte Gefahr im Hellen ist es, in der ersten Zeit auf einen der zahlreichen Straßenverkäufer reinzufallen, die einem zuerst erzählen, wie toll sie arme Waisenkinder unterstützen und nach 5 Minuten plötzlich dubiose Safaris oder Halsketten anbieten – aber da lernt man schnell draus :) [Read More…]

  • In The End Freedom Is What Matters

    Yesterday I’ve been asked by a good friend of mine why I am investing so much time in the FSFE (Free Software¹ Foundation Europe) instead of putting more energy in other organisations with more focus on privacy issues. The background of his question is that I’m quite concerned about governmental and commercial surveillance and the lack of really private ways to communicate with each other and the impact this has on our online and offline behaviour. With Laura Poitras’ recent movie “Citizenfour” awarded with an Oscar, I use the media attention as an icebreaker to talk with my friends about these topics if the situation allows it.

    Back to question which can also be read as “Why are you investing your time in Free Software instead of privacy which seems to touch you more?”. To be honest I had to think about this a bit. But then I remembered Jacob Appelbaum saying[…] what people used to call liberty and freedom we now call privacy“. And I think that’s the reason why I stick with putting my energy as activist in FSFE rather than in other (very good!) organisations: Because I think that freedom is the foundation of everything we call privacy today and in the future. I’ll explain that in the following paragraphs. [Read More…]

  • I love Taskwarrior, therefore I love Free Software

    ilovefs-heart-pxIt’s Valentine’s day and you’re writing a blog post? Are you nuts?” you might ask. Well, but it’s not only Valentine’s day but also I love Free Software day. This day is proclaimed every year on February 14 by the Free Software Foundation Europe to thank all developers and contributors of Free Software (software you can use for any purpose, which source code you or others can analyze, which can be modified and distributed).

    As last year with ZNC, I want to say thank you to a specific project which easies my daily life. As you might know by other blog posts here, organisation of tasks, mails and almost everything else is a very important issue for me. So this year I want to write some lines about Taskwarrior, taskd and Mirakel which enable me to take some free time without thinking of task which I could possibly forget to accomplish later on.

    My head is full of ideas and mental To-Do lists and so I’m in need of a handy tool which allows me to write down and organise items at any place and time: At my desk, in bus or train, when I’m offline or abroad. And its important that I don’t have (analog and digital) bits of paper everywhere, so I need a system that syncs all task inputs and outputs. I tried a lot of tools but Taskwarrior was the best so far. It used the well-known “Getting Things Done” concept with different priorities. Taskwarrior also supports tagging tasks, organising them in projects, due dates, postponing, making tasks dependend on others and much more. And Taskwarrior has a (modifyable) algorhythm that sorts your tasks by urgency levels, so that the most important tasks always are on the top of the list. Even now I just took a glance at what Taskwarrior is able to do!

    Picture of a woman with a chalk board which expresses her apreciation for Taskwarrior

    Someone who loves Taskwarrior as much as I do

    Services and programs that organise tasks aren’t very special!” one might think. But if you prefer sorting tasks digitally, you cannot simply chose a random todo-organising service provider. Most of the tools and services on the market aren’t free and transparent. All input may no longer belong to you, all the gathered information (which is a lot if you think of it!) could be used for targeted ads or worse. You cannot modify the algorhythm to suit your needs. And what happens if the service provider goes bankrupt? All data, all project history and all pending tasks would be lost at once. So using a free (as in freedom), decentralised, maybe self-hosted service is the best idea to organise your tasks decentrally. [Read More…]

  • Yourls URL Shortener for Turpial

    Maybe you know Yourls, a pretty cool URL shortener which you can set up on your own server very easily. Link shorteners are nice to have because

    1. you can share long links with short urls and
    2. you can view and organise all links you ever shared (incl. statistics and so on).

    There are many alternatives like bit.ly, ur1.ca and so on, but Yourls belongs to YOU and you don’t have to pay attention to ToS changes or the provider’s financial status. AND you can use whichever domain you own, for example in my case it’s s.mehl.mx/blabla.

    And maybe you also know Turpial, a Twitter client for GNU/Linux systems (I don’t like Twitter’s web page). Until lately I used Choqok, a KDE optimised client, but there were many things which annoyed me: No image previews, slow development, unconvenient reply behaviour and so on. And hey, why not trying something new? So I started to use Turpial which seems to solve all these critic points. Well, like always I missed some preferences to configure. But since it’s Free Software, one is able to look how the software works and to change it – and to share the improvements which I’ll do in the next step! [Read More…]

  • Next station: Tanzania

    Diesen Beitrag gibt es auch auf Deutsch / This post is also available in German

    As some of your already may know, I’m going to Tanzania for six months starting in March this year. In the city Moshi I’ll work as a volunteer computer teacher in a local institute for computer education.
    In the upcoming weeks and months you can hopefully see some updates and pictures on this blog. Until then I’d like to answer some frequently asked questions:

    Where the heck is Tanzania or Moshi?

    tanzania-mapTanzania is on Africa’s east coast, Kenya on its north coast border, Mozambique on its south. Some important localities in Tanzania are Lake Victoria, the Kilimanjaro or Zanzibar island.
    The capital is Dodoma, whereas the largest and most important city is Dar es Salaam. Moshi, where I will reside, is one of the largest cities with around 140.000 inhabitants. It’s right beneath the Kilimanjaro.

    What exactly are you doing there?

    [Read More…]

  • Sharing is caring – my Git instance

    Some days ago I noticed another time that I have far too less knowledge about Git.
    “Time to change that!”, I thought and set up my own Git instance and also installed gitweb for better usability.

    Upside 1: I can keep track of the many (mainly bash) scripts I wrote in the past and all the changes I will adopt in the future.
    Upside 2: You can hopefully benefit from using and reading my code. All code is licensed under GNU GPL v3 so please feel free to use, study, share and improve my work!

    Some noteworthy projects I’m (a bit) proud of:

    Any questions, ideas or improvements? Please contact me!

  • Freie Kommunikation ist die Essenz des Menschseins

    Im Folgenden werde ich – durch meinen Gemütszustand etwas angefeuert – darlegen, wieso digitale Kommunikationsüberwachung Gift für unsere Gesellschaft ist, weil sie nichts anderes als Millionen Abhörwanzen und Kameras in unseren privatesten Räumen ist.

    Seit einigen Monaten hat sich ein Grundkonflikt in den politischen Debatten verstärkt: Welche Kommunikation sollte überwacht werden dürfen und welche nicht? Ausschließlich inländische Kommunikation? Geschäftliche E-Mails? Telefongespräche über 20 Sekunden Dauer?
    Und parallel dazu bekomme ich seit mehreren Monaten regelmäßig Wutanfälle, nämlich wenn ich Kommentare von “Experten” und Laien lese, die solche künstliche Trennungen von Kommunikation und deren unterschiedliche Bewertung immer noch ernsthaft in Erwägung ziehen.

    Wieso ist Kommunikation = Kommunikation?

    Weil Kommunikation – in welcher Form auch immer – schützenswert ist und privat bleiben muss, weil wir uns sonst als Gesellschaft aufgeben. Es ist witzlos, gesetzlich eine künstliche Trennung zwischen Kommunikationsarten ziehen zu wollen. Nur die Ewiggestrigen können ernsthaft vorhaben, analoge und digitale Unterhaltung, Schriftwechsel und Meinungsaustausch zu trennen und deren Inhalt unterschiedlich zu behandeln.

    Ja, die technischen Wege der Kommunikationsformen sind unterschiedlich: Bei der einen rege ich durch Muskelbewegungen Vibrationen in der Luft an, die bei meinem Gegenüber im Ohr zu sinnvollen Informationen verarbeitet werden. Bei der anderen schicke ich (un)willkürlich Nullen und Einsen durch Netzwerke, die durch immer noch atemberaubende Technik an der anderen Seite wieder lesbar werden. Doch die Qualität ist dieselbe.

    Stellen wir uns einmal vor…

    Nehmen wir ein realitätsnahes Beispiel: Frau und Herr Schuster. [Read More…]

  • My internship at FSFE

    I recently saw that the Free Software Foundation Europe is offering a new and very interesting internship position. That’s a great opportunity for every student interested in Free Software and political activism — and for me to write about my internship I completed from October 2013 until end of March 2014. Here’s a report I wrote some time ago:

    Starting from October 2013 I was able to work 6 months as an intern for the Free Software Foundation Europe in Berlin. This was an internship required by my bachelor degree course at the University of Konstanz (Germany) where I study Politics and Public Administration. Some years before my internship I already was an FSFE Fellow and then decided to apply there.

    My daily tasks contained monitoring and moderation of the various mailing lists and social network accounts. There were also various technical jobs to do: Updating and creating single websites, sending out newsletters, fixing smaller bugs on our pages and so on.

    The bigger part in my internship was political work. In Germany, various ISPs want to hinder end consumers to freely choose a router because they only want officially supported ones. Such policy comes with serious consequences for security, free competition, trust in technology, and compatibility. My tasks contained analysing regulation drafts, writing statements for public hearings and coordination with other activists. We summarized the issue and our work on https://fsfe.org/activities/routers

    After the parliamentary elections in Germany 2013 I analysed the Grand Coalition’s agreement to identify possible positive and negative effects on Free Software. I also was able to visit several politicians in the German Bundestag to talk with them about Free Software and upcoming important tasks we wanted to work on.

    Besides I helped a lot organising our various campaigns like “Document Freedom Day” and “I love Free Software”. For many of these political tasks and campaigns I wrote press releases and public statements.

    During my internship I learned a lot about the structure and work in a multinational organisation and how to collaborate and talk with different people around the world. Another plus is the know-how I aquired by helping planning the various campaigns and analyses. When I was in Brussels and Chemnitz to help at FSFE’s booths during conferences I also learned very much about how to talk with people of all kinds and how to carry ideas and convictions to others.

    I will never regret applying for and completing the internship at FSFE. There were so many theoretical and practical things no study course can teach. Being able to work at the interface between communities, companies and politics is something every interested student should be granted.

    I want to thank everybody who enabled the FSFE to offer these internships. Organisations like the Free Software Foundation Europe are important to bring equality and freedom to our society and these internships allow students to get an insight into this very interesting area of activity.

    This internship was a very general one so I was able to work in many different areas of FSFE’s activity. The offered internship is mostly about Document Freedom Day, FSFE’s largest campaign in which I also invested a lot of time. I’m quite sure that this position is also very interesting — and very important as well! So if you want to take responsibility and want to learn much about collaboration, worldwide activism and public relations, go ahead and apply for this internship!

    If you are interested in this internship but you have some questions left, please feel free to ask me anything.